„Vivamus, mea Lesbia!“

Catulls Gedichte an und über „Lesbia“

Gedichte

Gedichte, in denen das Wort „Lesbia“ vorkommt, sind mit einem versehen.

Lebensdaten Catull

um 84 v. Chr.
geboren in Verona; dort hat er vielleicht auch Metellus, den Ehemann der Clodia, kennengelernt, und vielleicht sogar Clodia selbst.
57/56 v. Chr.
in Bithynien
nach 55 v. Chr.
gestorben (in Rom?)

In c. 11 erwähnt Catull den „gallischen Rhein“, den Caesar 55 v. Chr. überschritten hat. Dies ist auch die erste literarische Erwähnung des Flusses.

Lebensdaten „Lesbia“

„Lesbia“ war wahrscheinlich Clodia (FORDYCE, p. xiv, dort auch Belege; ebenso QUINN, p. xvi, und BARDON, p. 7), eine der drei Töchter des Consuls Appius Claudius Pulcher (Consul 79 v. Chr.) und Schwester des Publius Clodius Pulcher.

Clodia und Lesbia haben dasselbe metrische Maß.

Claudia/Clodia heiratete Quintus Metellus Celer, ihren Vetter. Als er 63 v. Chr. Statthalter im diesseitigen Gallien (= Oberitalien) war, sorgte Claudias „scandalous behaviour“ (FORDYCE) zu Hause in Rom für einigen Gesprächsstoff. 59 v. Chr. starb Metellus, angeblich von seiner Frau vergiftet. Im selben Jahr wurde Marcus Caelius Rufus ihr Liebhaber, der sich aber 56 v. Chr. von ihr trennte. Dann hören die Nachrichten über sie auf.

Andere Gedichte (c. 79, c. 77, c. 69, c. 58) passen in die Beziehungen Catull – Clodia – Clodius Pulcher – Caelius Rufus.

Also:

„Puella“ und „mulier“

Catull nennt Lesbia wiederholt (c. 2, c. 3, c. 8, c. 43) puella = Mädchen. Puella heißt aber auch „junge Frau“, sogar „junge verheiratete Frau“.

In c. 13, c. 70, c. 87 ist sie mulier = Frau.

Rückschlüsse auf ihr Alter sind daraus nicht möglich.

Cicero

Cicero als Verteidiger spricht von ihr sehr ungalant in einem Wortspiel … cum Clodia muliere non solum nobili verum etiam nota … (Cael., 30, 398 f.).

An anderer Stelle aber nennt er sie boopis („kuhäugig“), was durchaus ein ehrendes Adjektiv war, denn Hera/Juno wurde so genannt (Cic., Att. 2,9,1).

Ovid

Ovid bestätigt das Pseudonym (Tristia 2, 427 f.; Wortlaut unter Parallelstellen).

Apuleius und Victorius

Apuleius war der erste, der behauptete, Lesbia sei identisch mit (einer) Clodia; erst der italienische Humanist Petrus Victorius setzte im 16. Jahrhundert Lesbia mit Clodia, der Tochter des Appius Claudius Pulcher, gleich. (QUINN, p. xv ff.)

Ihre Beziehung

Parallelstellen

Cicero

… mulier non solum nobilis verum etiam nota …

pro Caelio

Properz

haec quoque lascivi cantarunt scripta Catulli,
Lesbia quis ipsa notior est Helena.

II, 34, 87 f.

Ovid

sic sua lascivo cantata est saepe Catullo
femina, cui falsum Lesbia nomen erat.

Tristia II 427 f.

Martial

Lesbia dictavit, docte Catulle, tibi.

VIII, 83, 8

Apuleius

… eadem opera accusent C. Catullum quod Lesbiam pro Clodia nominarit.

Apologia 10

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